Zecken können den bakteriellen Erreger für Borreliose übertragen.
Zecken können Bakterien der Gattung Borrelia übertragen. Sie lösen die Infektionserkrankung Borreliose aus. Die Borreliose kann mit Antibiotilka behandelt werden.

Borreliose: Was ist das?

Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, ist eine durch Zeckenstiche übertragene bakterielle Infektionskrankheit, die erstmals 1976 in Lyme (Connecticut, USA) beobachtet wurde. Überträger der Krankheitserreger der Bakteriengattung Borrelia ist der Holzbock Ixodes ricinus. Vom Borreliose-Bakterium befallene Zecken tragen den Erreger in ihrem Darm mit sich herum und übertragen ihn bei ihrer Blutmahlzeit. Borreliose verläuft unbehandelt in mehreren Stadien und kann schwere Folgeschäden nach sich ziehen. Eine seltene Art der Borreliose ist das sogenannte Rückfallfieber. Erreger für diese Art der Borreliose ist das Bakterium Borrelia recurrentis. Es kann von Zecken aber auch von Läusen übertragen werden. Im Verlauf der Erkrankung treten hier immer wieder Fieberphasen von drei bis sieben Tage auf. Hinzu kommen Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen sowie ein stecknadelkopfgroßer Hautausschlag.

Das Tückische an der Borreliose ist, dass ihr Krankheitsbild sehr vielfältig ist. Borreliose-Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen, Sehstörungen oder Herzrasen passen beispielsweise auch zu anderen Krankheiten. Das macht die korrekte Diagnose der Borreliose oft schwer. Häufig bleibt auch der Zeckenstich völlig unbemerkt und die charakteristische Wanderröte auf der Haut bleibt aus. Wird dein Immunsystem mit den Borreliose-Erregern nicht fertig, können sie sich über den Blutweg immer weiter in deinem Körper ausbreiten, Muskeln und Gelenke, schlimmstenfalls Gehirn und Rückenmark befallen. Dieser Infektionsweg kann sich über Wochen und Monate hinziehen und eine Therapie sehr schwierig machen. Je eher die Borreliose erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Eine einmal überstandene Borreliose verschafft dir allerdings keine bleibende Immunität gegen die Borreliose-Erreger. Weitere Borreliose-Infektionen sind also jederzeit möglich.

Krankheitsverlauf der Borreliose

Die Borreliose verläuft meistens in drei Phasen:

  1. Das erste Stadium der Borreliose verursacht in der Regel keine Beschwerden. Bei auftretender Wanderröte (Erythema migrans) zeigt sich eine kreisrunde Rötung mit gut abgrenzenden Rändern auf deiner Haut, die von der Stich-Stelle ausgeht und sich kreisrund weiter verbreitet. Mit der Zeit verblasst diese Rötung von innen heraus und verursacht meistens keine weiteren Beschwerden. Die Wanderröte entsteht, weil sich die mit dem Zeckenspeichel in deine Haut abgegebenen Borrelien in der Haut an der Stichstelle vermehren und langsam kreisförmig ausbreiten. Bei etwa der Hälfte der mit Borrelien infizierten Menschen fehlt die Rötung, bei anderen kann sie über Monate bestehen bleiben.
  2. Im zweiten Stadium der Borreliose kommt es einige Tage bis zu zehn Wochen nach dem Zeckenstich zu grippeähnlichen Symptomen. Diese sind ein Zeichen dafür, dass sich die Borreliose-Erreger über dein Blut in deinem ganzen Körper ausbreiten. Blutgefäße an Nerven, Muskeln und Knochengewebe können sich entzünden und vom Nacken ausstrahlende Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Fieber, Schwindel, Herzklopfen und
    Schweißausbrüche verursachen. Reizen die Borrelien massiv deine Nerven, kann es zu Kribbeln, Hitze-und Kältegefühl, Schmerzen an Bändern und Sehnen an Hand- und Ellenbogengelenk, in Rücken und Beinen kommen. Da diese Symptome der Borreliose auch auf andere Krankheiten wie Grippe, Arthritis, Sehnenscheidenentzündung oder Bandscheibenvorfall zutreffen, macht es die eindeutige Zuordnung zur Borreliose schwierig. Manchmal kommt es im Stadium 2 der Borreliose auch zu Muskellähmungen im Gesicht. Das wird als Faszialisparese bezeichnet.
  3. Im dritten Stadium der Borreliose setzen sich die Borrelien in deinem Bindegewebe fest. Hier sind sie für deine körpereigenen Abwehrzellen sehr schwer zu erreichen. Die Borrelien können daher Monate oder Jahre überdauern, bis sie wieder aktiv werden. Dann verursachen sie Gelenkentzündungen in Kiefer-, Hand- und Sprunggelenk. Entzündungen von Augen, Muskeln, Knochengewebe oder Weichteilen sind ebenfalls möglich. Breiten sich die Erreger weiter aus, kann es zu Meningitis (Hirnhautentzündung) kommen sowie zu Entzündungen in Gehirn, Gehirnhäuten und Rückenmark (Meningoenzephalomyelitis). Die Behandlung von Stadium 3 der Borreliose ist ein langwieriger Prozess. Als dauerhafte Schäden können zum Beispiel Lähmungen, anhaltende Schmerzen, Muskelschwäche, Gelenksteifheit und chronische Müdigkeit zurück bleiben.

Borreliose: Ursachen und Erreger

Die bakteriellen Überträger von Borreliose, Borrelien genannt, liegen im Mitteldarm infizierter Zecken. Beginnt eine mit Borrelien infizierte Zecke mit dem Blutsaugen, aktivieren die Borrelien ihren Stoffwechsel. Sie wandern allerdings erst nach etwa 24 Stunden in die Speicheldrüsen der Zecke. Von dort können sie in die Stichwunde und damit in deinen Körper übertragen werden. Daher: Je schneller du eine Zecke entdeckst und entfernst, desto größer ist die Chance, dass die Borrelien noch nicht übertragen wurden.

Erreger der Borreliose sind Bakterien der Gattung Borrelia (Borrelia burgdorferi, Borrelia afzelii, Borrelia garinii). Sie werden über Zeckenstiche auf uns Menschen übertragen. Die Zecke selbst infiziert sich mit den Borrelien, indem sie beim Stich das Blut infizierter Mäuse, Ratten, Siebenschläfer, Rehe und Vögel aufnimmt. Die Wahrscheinlichkeit, dass du dich bei einem Zeckenstich mit Borrelien infizierst, hängt von dem Durchseuchungsgrad der Zecken sowie der Stichdauer ab. Kommt es nach einem Zeckenstich zu einer Borrelien-Infektion mit Antikörperbildung, entwickelt in der Regel nur ein kleiner Teil der Betroffenen klinische Symptome einer Borreliose.

Borrelien sind sehr geschickt. Sie können ihre Eiweiß-Oberfläche verändern und sich somit vor deinem Immunsystem und den gegen sie gebildeten Antikörpern tarnen.  Sobald dein Immunsystem die Verwandlung bemerkt, bildet es neue Antikörper. Das dauert jedoch seine Zeit und somit haben die Borrelien die Chance zu überleben.

Im Gegensatz zu FSME, bei der Viren sofort nach dem Zeckenstich über den infizierten Speichel in deine Haut gelangen, siedeln sich die Erreger der Borreliose im Darm der Zecke an. Beim Stich werden sie nicht sofort frei, sondern es dauert zwölf bis 24 Stunden, bis sie mit dem Zeckenspeichel abgegeben werden können. Sind die Borrelien mit dem Zeckenspeichel in die Einstichstelle gelangt, beginnen sie sich zu vermehren und wandern als geschlossene Front in deiner Haut von der Einstichstelle weg. Sie können aber auch über dein Blut verbreitet werden und dann deine Gelenke und das Nervensystem befallen.

Zecken können Borreliose übertragen. Befallen die verursachenden Bakterien das Nervensystem sprechen Mediziner von Neuroborreliose.
Der Gemeine Holzbock kann Überträger der Infektionskrankheiten FSME und Borreliose sein. Er ist sehr widerstandsfähig und übersteht selbst Waschgänge bei 40 Grad mühelos.

Doch wie gelangt die Zecke auf deine Haut? Beim Spaziergang durch Feld, Wald und Wiese streifst du Zecken ab, die auf Farnen, Gras, Gestrüpp und Büschen in bis zu einem Meter Höhe sitzen. Gelangt eine Zecke auf deine Haut oder Kleidung, kriecht sie zu warmen, weichen und dünnhäutigen Stellen deines Körpers. Das sind vor allem Kopf, Hals, Schulter, Leistengegend, Kniekehlen, Armbeugen und Achseln. Hier ritzt die Zecke mit ihren Kieferklauen deine Haut ein, bohrt durch die entstandene Wunde eine Art Stachel ein und saugt sich fest. Meistens bemerkst du den Zeckenstich gar nicht, weil die kleinen Blutsauger mit ihrem Speichel einen schmerzstillenden Stoff in deine Haut injizieren. Ebenfalls sondert die Zecke aus ihren Speicheldrüsen eine gerinnungshemmende Substanz ab. Auf diese Weise kann sie ihre Blutmahlzeit über einen Zeitraum von bis zu einer Woche einnehmen, ohne dass sich die Stichstelle verschließt. Ist die Zecke satt, lässt sie sich fallen. Erkennbar ist das mit Blut vollgesogene Tierchen an seinem dicken, bräunlichen Hinterleib.

Am häufigsten befällt uns Menschen der sogenannte Holzbock (Ixodes ricinus). Er ist vormittags und am frühen Abend bei Temperaturen ab 10 °C hauptsächlich zwischen März und Oktober aktiv. Nicht jeder Zeckenstich führt aber automatisch zu Borreliose. Im Gegensatz zu FSME, deren Überträger auf bestimmte Risikogebiete beschränkt sind, kann Borreliose europaweit von Zecken übertragen werden.

Borreliose: Symptome

Symptome einer durch Zecken übertragenen Borreliose treten frühestens sieben Tage nach dem Zeckenstich auf. Die Borreliose beginnt fast immer mit einer sogenannten Wanderröte. Hierbei bildet sich um den Zeckenstich auf deiner Haut ein roter Rand, der sich langsam um bis zu fünf Millimeter pro Tag nach außen ausbreitet. Oft kommen Muskel- und Gelenkschmerzen und andere grippeähnliche Beschwerden hinzu. Schon bei den ersten Anzeichen einer Wanderröte solltest du zum Arzt gehen.

Bei unbehandelter Borreliose werden verschiedene Symptom-Ausprägungen unterschieden:

Reizen die Borrelien dein Nervensystem sehr stark, kann die sogenannte Neuroborreliose entstehen. Bemerkbar macht sich die Neuroborreliose durch starke bis unerträgliche Schmerzen und neurologische Beschwerden wie Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, Persönlichkeitsveränderungen. Es kann auch zu Entzündungen des Gehirns (Enzephalomyelitis) kommen sowie zu Sehverschlechterungen und Tinnitus.

Kinder zeigen im Stadium 3 der Borreliose in der Regel häufiger Lähmungen im Gesicht. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen und Sehstörungen können weitere Borreliose-Symptome bei Kindern sein. Da die Zecken bei Kindern gerne auch auf den Kopf kriechen und sich dort festsetzen, kann sich die Wanderröte (Erythema migrans) auf der Kopfhaut der Kleinen „verstecken“.

Welcher Arzt hilft bei Borreliose?

Erster Ansprechpartner in Sachen Zeckenschutz, Zecken-Entfernung und Abklärung zeckenbedingter Erkrankungen ist dein Hausarzt oder ein Facharzt für Allgemeinmedizin. Er kann dich bei Verdacht auf eine Neuroborreliose oder zur Untersuchung deiner Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (um die Borreliose von einer viralen oder bakteriellen Meningitis zu unterscheiden) an einen Facharzt für Neurologie überweisen.

Borreliose: Diagnose

Eine Borreliose kann aufgrund ihrer Symptome und ihres Verlaufs in vielen Formen auftreten. Das erschwert die Diagnose oft erheblich, besonders in späteren Krankheitsstadien. Bevor die Borreliose-Diagnose feststeht, sollten andere mögliche Ursache für die von dir genannten Beschwerden ausgeschlossen werden. Bei der Diagnose der Borreliose können einige mehr oder weniger umstrittene Borreliose Testverfahren zum Einsatz kommen.

Optische Diagnose der Borreliose

Erythema migrans oder Wanderröte kann aufgrund ihres typischen Hautbildes vom Arzt schon mit bloßem Auge und ohne Laboruntersuchung diagnostiziert werden. Allerdings kann eine bakterielle Infektion mit Streptokokken oder Staphylococcus aureus am Anfang ein ähnliches Hautbild hervorrufen: die Wundrose (Erysipel). Wundrose zeigt sich als eine sich rasch ausbreitende, scharf begrenzte, flammenförmige und hochrote Hautveränderung. Die gerötete Haut schwillt dabei an und ist sehr warm. Weitere Symptome der Wundrose sind kleine rote Punkte ohne Begleiterscheinungen bis hin zu hohem Fieber mit Schüttelfrost.

Borreliose-Bluttests sind umstritten

Die Lyme-Arthritis und die Neuroborreliose können mit Untersuchungen deines Blutserums nachgewiesen werden. Bei der Lyme-Arthritis kann durch die serologischen Untersuchungen abgeklärt werden, ob wirklich eine Infektion mit Borrelien vorliegt oder ob deine Beschwerden auf eine andere durch Bakterien hervorgerufene Gelenkerkrankung zurückzuführen sind. Beispiele hierfür sind Campylobacter-Infektionen oder Infektionen mit Yersinien. Ähnliche Symptome wie die Neuroborreliose rufen andere Erkrankungen des Nervensystems hervor, zum Beispiel eine Trigeminusneuralgie (unerträglicher Gesichtsschmerz). Auch hier können durch eine Untersuchung deines Blutserums möglicherweise Antikörper gegen den Borreliose-Erreger nachgewiesen werden und damit Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik wie die der Neuroborreliose ausgeschlossen werden.

Dein Arzt wird dir zur Diagnose der Borreliose nach einem Gespräch (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung Blut abnehmen. Aus dem Serum können im Labor mit speziellen Tests Antikörper gegen den bakteriellen Erreger Borrelia burgdorferi (IgM, IgE) nachgewiesen werden. Doch bedenke: Die Antikörperbildung gegen die Erreger der Borreliose dauert bis zu acht Wochen. Im Stadium 1 der Borreliose sind die Antikörper also noch nicht vorhanden. Ein negativer Bluttest bedeutet zu diesem Zeitpunkt daher nicht, dass keine Infektion mit Borrelien vorliegt.

Ein negatives Testergebnis auf Borrelien bedeutet auch in anderen Fällen nicht unbedingt, dass auch wirklich keine Borreliose vorliegt. Das Immunsystem mancher Menschen produziert keine oder kaum Antikörper gegen Borrelien. Das kann an einer genetischen Veranlagung liegen oder auch an einem geschwächten Immunsystem. Auch wenn du aufgrund einer anderen Erkrankung mit sogenannten Immunsuppressiva (Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken) behandelt wirst, kann ein Borreliose-Test fälschlicherweise negativ ausfallen.

Wenn ein Borreliose-Test positiv ausfällt, ist das ebenfalls kein 100%-iger Nachweis für eine Borreliose-Infektion. Das positive Borreliose-Ergebnis sagt lediglich aus, dass du dich zu irgendeinem Zeitpunkt mit Borrelien infiziert hast. Ein einmaliger Borrelien-Antikörper-Test erlaubt aber keine Unterscheidung zwischen einer aktiven Borrelien-Infektion mit Symptomen und einer verborgenen Infektion ohne Symptome. Bei einer verborgenen Infektion mit Borrelien hättest du dich zwar mit Borrelien infiziert, aber diese wären von deinem Immunsystem so weit in Schach gehalten worden, dass die Borreliose nicht ausbricht. Ein Borreliose-Bluttest kann außerdem auch positiv ausfallen, wenn die Borrelien-Infektion schon lange zurück liegt und ausgeheilt ist.

Aus diesen Gründen wird ein positiver Borreliose-Bluttest vom Arzt in der Regel nur im Zusammenhang mit den typischen Borreliose-Beschwerden und der Vorgeschichte (Zeckenstich) als Beweis für eine Borreliose gedeutet.

Beim sogenannten Lymphozyten-Transformationstest (LTT) wird nicht nach spezifischen Antikörpern gegen die Borreliose-Erreger in deinem Blut gesucht, sondern an bestimmte Zellen (Lymphozyten) deines Immunsystems angesetzt. Eine Blutprobe von dir wird mit Teilen von Borrelien-Bakterien gemischt. Wenn sich deine Lymphozyten daraufhin schnell vermehren, wurden sie durch die Borrelien in Alarmbereitschaft versetzt. Das ist ein Zeichen für eine akute Borrelien-Infektion. Vermehren sich deine Lymphozyten durch den Kontakt mit Borrelien-Bestandteilen dagegen nur langsam, hast du keine Borreliose.

Durch den Lymphozyten-Transformationstest kann eine Borreliose-Infektion im Frühstadium anzeigen werden. Doch die Test-Ergebnisse sind nicht sehr zuverlässig, weil der LTT auch bei Menschen positiv ausfallen kann, die noch nie in Kontakt mit Borrelien waren.

Borreliose oder Hirnhautentzündung?

Eine Untersuchung deiner Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) kann nötig werden, um die Borreliose von einer viralen oder bakteriellen Meningitis (Hirnhautentzündung) zu unterscheiden. Bei der Lumbalpunktion wird unter örtlicher Betäubung aus dem Raum, der das Rückenmark umgibt, etwas Flüssigkeit (Liquor) entnommen. Der Liquor wird im Labor mikroskopisch untersucht. Bei einer bakteriell bedingten Meningitis ist der Liquor eitrig-trüb. Eine durch Viren hervorgerufene Meningitis verändert den Liquor nicht, er bleibt klar.

Untersuchung der Zecke auf Borrelien

Zum Borreliose-Nachweis in der Zecke musst du die an deinem Körper gefundene Zecke entfernen und zur Analyse an ein spezielles Labor schicken. Auch dein Arzt kann eine Untersuchung der Zecke veranlassen. Die Kosten für die Zecken-Untersuchung werden derzeit in der Regel von den Krankenkassen nicht übernommen. Im Analyselabor wird in der Zecke nach dem Erbgut von Borrelien gesucht. Sichtbar gemacht werden kann das Borrelien-Erbgut mit Hilfe der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Ein positives Testergebnis heißt aber nicht automatisch, dass die Borrelien aus der Zecke auch auf dich übertragen wurden. Das hängt nämlich unter anderem von der Dauer des Saugaktes ab. Wenn eine mit Borrelien infizierte Zecke weniger als 24 Stunden an dir Blut gesaugt hat, ist die Wahrscheinlichkeit einer Borrelien-Übertragung in der Regel noch recht gering.

Manche Labors testen die eingeschickten Zecken auf das Erbgut von Borrelia burgdorferi sensu lato. Das ist eine Gruppe nah verwandter Borrelia-Arten, von denen einige Borreliose auslösen können, andere aber nicht. Bei einem positiven Zecken-Borreliose-Test ist die betroffene Zecke mit Borrelien infiziert, aber vielleicht auch mit solchen, die beim Menschen keine Borreliose hervorrufen. Allein aufgrund eines positiven Zecken-Borreliose-Tests wird daher oft davon abgeraten, eine Therapieentscheidung zu treffen und die vermeintliche Borreliose umgehend mit Antibiotika zu behandeln.

Borrelien-Nachweis durch Anzüchten

Durch Anzüchten der Borrelien aus einer Probe, die von der Haut, der Gelenksflüssigkeit (bei Verdacht auf Lyme-Arthritis) oder der Hirn-/Rückenmarksflüssigkeit (bei Verdacht auf Neuroborreliose) stammen, können die Borreliose-Erreger eindeutig nachgewiesen werden. Eine derartige Borrelien-Anzucht ist aber sehr zeitaufwändig und wird nur in einigen Speziallaboren durchgeführt.

Schneller geht es, aus Patientenproben das Erbgut der Borrelien mit Hilfe der PCR (Polymerase-Kettenreaktion) nachzuweisen. Diese Form von Borreliose-Test wird hauptsächlich mit Proben von Gelenksflüssigkeit durchgeführt, wenn dein Arzt bei dir eine Borreliose-bedingte Gelenksentzündung (Lyme-Arthritis) vermutet.

Borreliose: Häufige Fragen

Im Folgenden findest du einige Infos zu häufigen Fragen rund um Zecken und Borreliose.

Wie entfernst du eine Zecke?

Nicht jede Zecke überträgt beim Stich automatisch Borreliose oder FSME. Daher gilt: Ruhe bewahren. Hast du eine Zecke entdeckt, entferne sie möglichst rasch und innerhalb von 12-24 Stunden vorsichtig mit einer Zeckenzange. Setze die Zange direkt über der Einstichstelle am Kopf der Zecke gerade an und ziehe unter leichtem Hin- und Herrütteln in eine Richtung bis die Zecke loslässt. Die Zecke beim Herausziehen auf keinem Fall quetschen. Wird die Zecke (etwa durch Verwendung einer Pinzette) gequetscht, können die FSME– und Borreliose-Erreger schneller als auf normalem Wege über die Speicheldrüsen in die Wunde gelangen.

Bitte nicht quetschen. Mit einer Zeckenzange lassen sich Zecken gut entfernen.
Mit einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte lassen sich die kleinen Blutsauger gut entfernen. Wichtig ist, dass sie nicht gequetscht werden. Denn dann entleeren sie Speichel und ihren Darminhalt in die Stichwunde. Folge: mögliche Borreliose- und FSME-Erreger werden noch schneller übertragen.

Zeckenkarten können mit dem Kartenausschnitt direkt auf der Haut am Kopf der Zecke angesetzt werden. Die Zecke sollte dann mit einer ruhigen Bewegung aus der Haut herausgeschoben werden. Nach dem Entfernen der Zecke bitte die Stelle mit einem Desinfektionsmittel behandeln.

Reißt der Kopf der Zecke beim Entfernen ab und bleibt in deiner Haut zurück, eitert der Fremdkörper heraus. Die Biss-Stelle kann dabei gerötet und geschwollen sein. Jetzt solltest du besser zum Arzt gehen.

Auf keinen Fall solltest du die Zecke mit Butter, Öl, Nagellackentferner, Klebstoff oder Alkohol bestreichen. Denn die Zecke droht dran zu ersticken und sondert noch mehr Speichel ab, der mit den Erregern von FSME infiziert sein kann. Heilungschancen bei FSME.

Die Zecke entleert bei drohendem Ersticken außerdem noch ihren Darminhalt in die Stichstelle. Da sich im Darm von Zecken die Erreger von Borreliose befinden können, steigt das Risiko für eine Borreliose-Infektion durch unsachgemäßes Entfernen der Zecke ebenfalls.

Welche Komplikationen können bei Borreliose auftreten?

Bekannte Komplikationen der Borreliose sind die bakterielle Gelenkentzündung (Lyme-Arthritis) und der Befall des Nervensystems (Neuroborreliose). Diese treten in den späteren Stadien der Borreliose auf.

Als dauerhafte Schäden der Borreliose können trotz Antibiotika-Therapie zum Beispiel Lähmungen, anhaltende Schmerzen, Muskelschwäche, Gelenksteifigkeit und eine chronische Müdigkeit zurück bleiben.

Gegen Zecken geimpft und trotzdem Borreliose?

Auch wenn du eine „Zeckenimpfung“ erhalten hast, schützt dich diese nur vor FSME. Für Borreliose gibt es in Deutschland derzeit noch keinen zugelassenen Impfschutz. Daher ist es umso wichtiger, dass du dich vor Zeckenstichen schützt. Lies mehr zur FSME-Impfung.

Bist du nach überstandener Borreliose immun?

Bist du mit Antibiotika und begleitender Therapie gegen Borreliose behandelt worden und ist diese ausgeheilt, besteht keine Immunität. Wirst du also erneut von einer mit Borrelien infizierten Zecke gestochen, ist eine weitere Borreliose-Infektion möglich.

Was sind Auwaldzecken?

Die Auwaldzecke, die größer als der Gemeine Holzbock ist, erkennst du an ihrem hellen Rückenschild mit braunen Streifen und Tüpfelungen (Weibchen) oder mit blaugrauer Zeichnung (Männchen). Auwaldzecken werden daher auch Buntzecken genannt. Beheimatet sind Auwaldzecken vor allem in Norditalien, Österreich, Ungarn sowie in osteuropäischen Ländern, seit einigen Jahren kommen sie jedoch auch in einigen Regionen Deutschlands vor: am Oberrhein, im Saarland, Rheinland-Pfalz, Brandenburg, bei Regensburg, in den Elbauen und den Münchener Isarauen.

Die Auwaldzecke ist im Gegensatz zum Gemeinen Holzbock sehr lauffreudig. Sie wartet nicht bis sie abgestreift wird passiv am Grashalm hängend auf ihre „Opfer“, sondern geht aktiv auf Beutesuche. Deshalb wird sie auch als Laufzecke bezeichnet.

Die Auwaldzecke kann Babesiose und Fleckfieber übertragen.
Die Auwaldzecke, auch Buntzecke genannt, ist in Norditalien, Österreich, Ungarn sowie in osteuropäischen Ländern beheimatet. Jetzt ist sie auch in Deutschland aktiv. Die Zecke kann Babesiose und Fleckfieber durch Rickettsien-Bakterien übertragen.

Auwaldzecken können mit ihrem Stich Einzeller der Gattung Babesia übertragen. Diese lösen die Erkrankung Babesiose aus. Die Zecke muss allerdings mindestens zwölf Stunden saugen, damit die Infektion erfolgreich ist. Bisher wurden vor allem Hunde von Auwaldzecken befallen, doch auch Menschen können an Babesiose erkranken. Symptome der Babesiose sind hohes Fieber in heftigen Schüben, blutiger (dunkelbrauner bis dunkelrotbrauner) Urin, Gelbsucht, Entzündungen der Augen bis zu Netzhautablösungen, Mattigkeit, Übelkeit, Appetitverlust, starke Schweißausbrüche, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Störungen an Nerven und Bewegungsablauf.

Auwaldzecken können jedoch auch Bakterien der Gattung Rickettsien übertragen, die das sogenannte Fleckfieber hervorrufen können. Bei Fleckfieber treten auf: starke Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen, hohes Fieber bis zu 41°C, Schüttelfrost, Unruhe, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen, Zittern der Hände und Hautausschlag (Exanthem). Das Gesicht sowie die Hand und Fußflächen bleiben davon ausgespart. Das Exanthem besteht aus Flecken verschiedenen Aussehens: einige Flecken sind hochrot, andere lila oder rosa. Außerdem kann es zu Hautblutungen (Petechien) kommen.

Borreliose: Therapie

Sobald sich eine Wanderröte (Erythema migrans) zeigt, werden vom Arzt in der Regel umgehend Antibiotika verschrieben. Die Antibiotika-Behandlung dauert im Durchschnitte etwa zwei Wochen. Als Wirkstoffe im Stadium 1 der Borreliose werden bei Erwachsenen und Kindern über acht Jahren in der Regel Doxyzyklin oder Amoxyzillin eingesetzt, alternativ auch Cefuroxim oder Makrolid-Antibiotika. Doxyzyklin hemmt Bakterien in ihrem Wachstum. Doch Vorsicht: Der Wirkstoff Doxyzyklin gehört zu der Wirkstoffgruppe der Tetrazykline. Sie dürfen nur aufrecht, das heißt nicht im Liegen und nicht vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Bleiben die Tabletten oder Kapseln in der Speiseröhre stecken oder gleiten sie aus dem Magen in die Speiseröhre zurück, können sie die Schleimhäute der Speiseröhre verätzen. Tetrazykline machen die Haut außerdem empfindlicher gegen UV-Strahlung. Während der Antibiotika-Behandlung solltest du deshalb keine Sonnenbäder nehmen und nicht ins Solarium gehen. Schütze deine Haut tagsüber, indem du einen Sunblocker aufträgst. Tetracycline hemmen die Eiweiß-Produktion in den Bakterien, indem sie den Transportprozess von Eiweiß-Baumaterial behindern. Dadurch können lebenswichtige Eiweiße nicht gebildet werden und die Vermehrung der Bakterien wird gehemmt.

Amoxyzillin gehört zur Wirkstoffgruppe der Penizilline. Sie hemmen bei den Bakterien in der Wachstumsphase den Aufbau der Zellwand und töten sie damit ab. Bei bereits ausgewachsenen Borrelien kann der Wirkstoff nichts ausrichten, sie bleiben aktiv. Vorsicht: Penizilline verstärken die Wirkung mancher Gerinnungshemmer. Auch sind allergische Hautausschläge möglich.

Der Wirkstoff Cefuroxim gehört zur Wirkstoffgruppe der Cephalosporine. Sie ähneln in ihrem chemischen Aufbau den Penizillinen und hemmen wie diese den Aufbau der Zellwände bei wachsenden Bakterien. Cephalosporine werden eingesetzt, wenn Penizilline nicht vertragen werden. Vorsicht: Cephalosporine verstärken die Wirkung mancher Gerinnungshemmer. Auch sind allergische Hautausschläge möglich.

Makrolid-Antibiotika (Makrolide) wie Medikamente mit dem Wirkstoff Clarithromyzin greifen in die Eiweiß-Produktion der Bakterien ein, die für alle Lebensvorgänge der Borreliose-Erreger wichtig sind. Sie wirken auf die Borrelien nicht abtötend (bakterizide Wirkung), sondern hemmen ihre Vermehrung (bakteriostatische Wirkung). Vorsicht: Wenn du Herzrhythmusstörungen oder eine eingeschränkte Leberfunktion hast, solltest du die Risiken und den Nutzen der Makrolid-Antibiotika mit deinem Arzt besprechen. Ebenfalls, wenn du unter Myasthenia gravis leiden, also unter einer gestörten Übertragung von Nervenreizen auf die Muskulatur.

Im Stadium 2 und Stadium 3 der Borreliose reichen Antibiotika zum Einnehmen in der Regel nicht mehr aus, um alle Borrelien in deinem Körper abzutöten. Daher kann der Wirkstoff Ceftriaxon als Infusion verabreicht werden (intravenöse Antibiotikatherapie). Vorsicht: Ceftriaxon kann das Entstehen von Gallensteinen begünstigen. Spürbar ist dann ein Druckgefühl im rechten Oberbauch – besonders nach den Mahlzeiten. Halten die Schmerzen länger als 15 Minuten an und werden sie sehr heftig, kann es sich um eine Gallenkolik handeln, die durch die Gallensteine ausgelöst wurde. Wenn die Gallensteine den Abfluss der Galle vollständig behindern, staut sich die Galle in der Leber und verursacht eine Gelbsucht.
Bei Kindern kann sich häufig auch Gallengries bilden. Gallengries sind viele kleine Gallensteinchen, die sich meistens wieder auflösen, sobald das Mittel abgesetzt wird.

Insektenschutzmittel gegen Zecken

Zecken sind sehr geruchsempfindlich. Daher können Insektenschutzmittel gegen Mückenstiche auch ein guter Schutz gegen Zecken sein. Die Insektenschutzmittel verändern den Geruch deiner Haut sowie deren Temperatur und Feuchtigkeit und machen dich damit „unsichtbar“ für die kleinen Blutsauger. Die Zecken können dich nicht mehr riechen und finden daher den Weg auf deiner Haut nicht mehr. Achtung: Die Wirkung der Insektenschutzmittel (Repellents) hält nur wenige Stunden an. Bei längeren Aufenthalten im Freien solltest du die Insektenschutzmittel daher wiederholt auftragen.

Borreliose vorbeugen

Gegen Borreliose gibt es derzeit keine Impfung. Der beste Schutz bleibt also dein richtiges Verhalten bei Freizeitaktivitäten in Feld, Wald, Wiese und im Garten. Trage eine Kopfbedeckung sowie lange, geschlossene Kleidung und stecke die Hosen in die Socken, um den Zecken den Weg an deine Haut zu erschweren. Suche nach jedem Aufenthalt im Freien deinen Körper nach Zecken ab. Erkennbar ist eine Zecke im nicht mit Blut vollgesogenen Zustand als kleiner, schwarzer beweglicher Punkt auf Haut und Kleidung. Schau besonders gründlich in Hautfalten und am Genitalbereich nach sowie am Haaransatz. Klopfe deine Kleidung gründlich aus, denn Zecken können in abgelegter Kleidung bis zu fünf Tage überleben. Auch Waschgänge bis 60°C überstehen sie, nicht aber einen Aufenthalt bei trockener Hitze im Wäschetrockner.

Im eigenen Garten kannst du ein weißes Handtuch über Gras und Büsche ziehen, um eventuell vorhandene Zecken abzustreifen. Da Zecken schattige Stellen bevorzugen und zum Überleben feuchten Boden benötigen, solltest du im eigenen Garten durch Gehölzschnitt für mehr Sonneneinfall sorgen. Beseitige auch altes Laub und Moose. Bei der Gartenarbeit solltest du glattes Schuhwerk tragen, denn an dessen Oberfläche finden Zecken keinen Halt. Und auf heller Kleidung sieht man die kleinen Blutsauger besser.

Borreliose: Heilungschancen

Nicht jede Borreliose führt automatisch zu schweren Erkrankungen. Wenn dein Immunsystem gesund ist, kann es die Erreger meistens von selbst besiegen. Es gibt aber auch viele schwere Fälle von Borreliose, die sich über Jahre entwickelt haben, weil die Borreliose nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wurde. Bei korrekter Diagnose und sofortiger Behandlung der Borreliose mit Antibiotika sind die Heilungschancen in der Regel gut. Es gilt außerdem die Faustregel: Je schneller du eine Zecke entfernst oder vom Arzt entfernen lässt, desto geringer das Risiko, dass sie Borrelien übertragen kann. Und sobald sich bei dir eine Hautrötung zeigt, solltest du sofort einen Arzt aufsuchen. In Stadium 1 der Borreliose kann mit einer Therapie mit Antibiotika die Borrelien-Infektion in der Regel gut eingedämmt werden. Im Gegensatz zu FSME gibt es gegen Borreliose derzeit noch keine Impfung und bei einmal überstandener Borreliose auch keine Immunität gegen die Erreger. Eine Neuinfektion kann also jederzeit passieren.

Weitere Informationen zur FSME-Impfung.

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